Namensgebung Kurmainz-Schule

Neudenau ist eine Stadt, die im Laufe der Geschichte Höhen und Tiefen erlebte und dies mit ihrer bemerkenswerten historischen Bausubstanz heute noch jedem Besucher zeigt.

 

Im siedlungsgünstigen Jagsttal gelegen, ist sie mit Sicherheit sehr alt. Aus einer alemannischen Talsiedlung (Busingen), später von Franken bewohnt, war sie dem Benediktinerkloster Amorbach im hinteren Odenwald zu eigen, das sich hier u.a. auch dadurch verewigte, dass es in Deitingen, der abgegangenen Nachbarsiedlung, die Verehrung des Quell- und Pferdepatrons St. Gangolf einführte.

 

Erst als Ende des 12. Jahrhunderts die Herren von Dürn (Walldürn) als Schutzvögte des Klosters zur Herrschaft kamen und hoch über der Jagst eine Burg erbauten, ist der Ort in den Schutz dieser Burg verlegt und mit Mauern und Türmen befestigt worden: vor 1263 außerdem zur Stadt erhoben. Nach Aussterben der Dürner um 1325 wechselten in rascher Folge die späteren Besitzer.

 

1364 fiel die Stadt an das Kurfürstentum Mainz und blieb bis zur Säkularisation 1803 geistliches Territorium und Mittelpunkt des kleinen mainzischen Amtes Neudenau. Aus dem Stadtrecht waren Marktrechte erwachsen, die das Handwerkertum begünstigten und aus Neudenau eine Ackerbürgerstadt werden ließen, in der Gewerbe und Handel blühten, aber auch die Landwirtschaft betrieben wurde, vor allem der Weinbau.

 

Seuchen- und Kriegszeiten brachten Rückschläge. Im Bauernkrieg, dem sich 1525 Neudenau angeschlossen hatte, zerschlug sich die Hoffnung auf Befreiung von herrschaftlicher Abhängigkeit, und später brachte der Dreißigjährige Krieg Zerstörung und Entvölkerung.

 

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aber ging es wieder aufwärts: Das bürgerliche Gemeinschaftsleben fand in geordnete Bahnen zurück, Wohlstand wurde erwirtschaftet, wobei der Weinbau ein wichtiger Faktor war, und von einer neuen Blütezeit begannen prächtige Fachwerkhäuser zu zeugen, wie sie vor allem rund um den Marktplatz erstellt wurden. Auch das Zunftleben blühte in jener Zeit auf und äußerte sich in besonderer Brauchfreude, wie sie für das relativ ungestörte gesellschaftliche Leben der Zeit bis 1800 typisch war und ihre Nachwirkungen zum Teil bis heute hat.

 

1803 fiel Neudenau nach dem Ende von Kurmainz zunächst an die Grafen von Leiningen-Heidesheim, schon 1806 aber samt Umgebung zum Großherzogtum Baden. Dies bedeutete das Ende der Amtsstadt Neudenau.

 

Als noch folgenschwerer aber hat zu gelten, dass die Stadt nun, ihrer Bedeutung als südliche Bastion eines bedeutenden Territorialstaates beraubt, bedeutungslos an den Rand des neuen Herzogtums gerückt war und entsprechend wenig Beachtung und Förderung fand. In dieser Situation verblieb Neudenau mit wenigen Ausnahmen bis heute.

 

Wie für das Gemeinwesen gilt in gleicher Weise die Entwicklung für das Bildungswesen. In den Anfängen wurden die Schulen bekanntlich als Pfarrschulen von der Kirche eingerichtet, und da das kurmainzische Amt Neudenau kirchlich zum Bistum Würzburg gehörte, unterstand die Schule dem Bischof von Würzburg. Aber bereits unmittelbar nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kümmerte sich auch der Landesherr um das Schulwesen, bei dem sich Mitte des 18. Jahrhunderts das Kurfürstentum Mainz mit jedem anderen Staat messen konnte und viele derselben weit übertraf. Nicht ohne Grund führt die Stadt Neudenau in ihrem Stadtsiegel von 1364 bis heute das Mainzer Rad.

 

Mit dem Namen "KURMAINZ-SCHULE NEUDENAU" soll an den äußerst positiven Einfluss des Kurfürstentums Mainz auf die Entwicklung unseres Gemeinwesens und damit auch unserer Schulverhältnisse in einem Zeitraum von 439 Jahren erinnert werden. Während das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden im Landesnamen ihre Fortführung finden, droht der Name des einst so bedeutenden Kurfürstentums (der Mainzer Kurfürst war seit dem hohen Mittelalter Erzkanzler des Reiches, also Stellvertreter des Kaisers), dem Neudenau seine Entfaltung, Blüte und Bedeutung zu verdanken hat, in Vergessenheit zu geraten.

Verfasser: Helmut Gehrig